Apr 29 2011

Wohnumfeld bei einem AKW: Einfluss auf die Beitragshöhe?

Wohnumfeld bei einem AKW: Einfluss auf die Beitragshöhe einer Risikolebensversicherung? Nach dem schweren Atomunfall in Japan fragen sich besorgte Anwohner in der Nachbarschaft von Atomkraftwerken, ob sie in einer besonders strahlungsgefährdeten Zone noch problemlos eine Risikolebensversicherung abschließen können.

Das Thema kam Anfang der achtziger Jahre des letzten Jahrhunderts auf, als wissenschaftliche Untersuchungen eine Häufung von Krebserkrankungen bei Kindern im Umkreis von wenigen Kilometern um Atomkraftreaktoren zeitigten. Seitdem wird das Krebsrisiko im engeren und weiteren Radius von Atommeilern regelmäßig untersucht. Bislang sind die Ergebnisse nicht in die Bemessung der Beitragshöhe von Risikolebensversicherungen eingeflossen. In den Gesundheitsfragen vor Versicherungsabschluss werden die Risiken nuklearer Strahlung bei bereits eingetretenen Krebserkrankungen berücksichtigt. Derartige Fälle sind generell ein Ablehnungskriterium. Wenn hingegen jemand nach dem Abschluss einer Risikolebensversicherung infolge von Strahlenschäden erkrankt und stirbt, zahlen die Versicherungen grundsätzlich die vereinbarte Todesfallsumme an die Hinterbliebenen.

Die Versicherungen setzen Sterbetafeln ein, um die Beiträge zu Risikolebensversicherungen angemessen kalkulieren zu können. Hierbei werden altersbezogene Sterbewahrscheinlichkeiten ermittelt. Um das Gebot einer Gleichbehandlung aller Versicherungsnehmer sowie einer rationellen Verfahrensweise zu erfüllen, legen die Versicherungen Wert auf die Gleichartigkeit der Verträge. Wer also in der Nähe eines AKW wohnt, wird nicht anders behandelt als ein Bürger, der außerhalb einer sogenannten Alphazone lebt. Doch ist mit dieser Methode auch in Zukunft zu rechnen?

Regionale Sterbetafeln zeigen unterschiedliche Lebenserwartungen auf. Insider vermuten, dass die Versicherungsgesellschaften künftig durch Regionalisierung der Tarife für Risikolebensversicherungen den gebietsweise differierenden Sterblichkeitsraten Rechnung tragen könnten. Sofern der Gleichbehandlungsgrundsatz nicht verletzt wird – also keine Diskriminierung nach Geschlecht, Rasse oder Religionszugehörigkeit erfolgt – stünde der Einführung von Regionaltarifen bei Risikolebensversicherungen nichts im Wege. Inwieweit dies in einer mobilen Industriegesellschaft bei den üblicherweise extrem langen Laufzeiten von Risikolebensversicherungen praktikabel ist, erscheint noch unklar.

Tipp für Interessenten: Wer seinen Wohnsitz in der Nähe eines Atomkraftwerks hat und eine Risikolebensversicherung abschließen möchte, sollte mehrere Angebote vergleichen. Zum einen unter seinem angestammten Wohnsitz, zum anderen mit denselben biometrischen Daten – das heißt gleiches Alter und gleiches Krankheitsbild – unter der Angabe eines fiktiven Wohnsitzes weit außerhalb von Atommeilern. So lässt sich leicht ermitteln, welche Versicherungsgesellschaften mit Regionaltarifen arbeiten und welche Gesellschaften weiterhin die Risiken im Kollektiv aller Versicherungsnehmer ausgleichen.

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