Nov 11 2011

Künftige Beitragsentwicklung bei Risikolebensversicherungen

Verunsicherte Kunden fragen sich angesichts der Finanzkrise, wie sich die Prämien in den nächsten Jahren voraussichtlich entwickeln werden. Demnächst haben zwei Trends wesentlichen Einfluss auf die Beiträge: Unisex-Tarife und Sicherheit der Kapitalanlagen von Lebensversicherungsgesellschaften. Bei diesen und anderen Entwicklungen spielt auch die Politik der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) eine wichtige Rolle.

Unisex-Tarife in der Europäischen Union

Laut Urteil des Europäischen Gerichtshofs vom 01.03.2011 darf bei neuen Lebensversicherungsverträgen ab 21.12.2012 hinsichtlich der Prämiengestaltung keine Unterscheidung mehr zwischen Mann und Frau gemacht werden. Die Auswirkungen sollen an einem konkreten Beispiel einer Risikolebensversicherung aufgezeigt werden: Ein 30jähriger Nichtraucher zahlt für eine Todesfallsumme von 100.000 Euro mit einer Laufzeit von 20 Jahren bei einer der günstigsten Gesellschaften, ONTOS, derzeit einen monatlichen Beitrag von 5,80 Euro, eine weibliche Person mit denselben Parametern jedoch lediglich 4,16 Euro. Demnach werden die Beiträge spätestens zum Umstellungstermin um ca. 20 Prozent steigen. Die BaFin wird jeden ruinösen Wettbewerb von vornherein unterbinden. Das heißt, es wird keine nennenswerten Ausschläge bei den Beitragserhöhungen nach oben oder unten geben.

Sicherheit der Kapitalanlagen von Lebensversicherungsgesellschaften

Lebensversicherungsgesellschaften haben ihre Überschüsse in sichere Kapitalanlagen anzulegen. Dazu zählten in der Vergangenheit insbesondere Staatsanleihen. So hat beispielsweise die Allianz etwa 30 Prozent ihrer Überschüsse in Staatsanleihen angelegt. Diese vermeintlich sicheren Anleihen sind spätestens seit dem Griechenland-Debakel nicht mehr sicher. Auf derartige Schuldverschreibungen, zu denen auch die Anleihen der romanischen Länder Spanien, Portugal und Italien zählen, sind nunmehr Abschreibungen von 30 bis 50 Prozent zu bilden. Das hat bei den Risikolebensversicherungen zur Folge, dass Kunden, die ihre Nettobeiträge infolge hoher monatlich verrechneter Überschussanteile bislang niedrig halten konnten, künftig mit höheren Beiträgen rechnen müssen. Denn die über den Garantiezins hinausgehenden Gewinnanteile sind nicht für die Zukunft garantiert.

Resümee

Spätestens ab Dezember 2012 ist mit Beitragserhöhungen von mindestens einem Drittel der bisherigen Nettobeiträge für Frauen zu rechnen, bei Männern mit etwa einem Viertel. Falls die BaFin eine weitere Senkung des Garantiezinses für notwendig hält, dürfte die durchschnittliche Erhöhung der Versicherungsprämien noch deutlicher ausfallen. Vor allem Kunden mit technisch einjährig kalkulieren Versicherungsprämien sollten jetzt schon überlegen, die Beiträge für die Restlaufzeit ihrer Risikolebensversicherung auf konstante Beiträge umzustellen.

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