Mai 09 2011

Beitragskalkulation bei der Risikolebensversicherung

Beitragskalkulation: Kein Buch mit sieben Siegeln! Versicherungsnehmer und interessierte Bürger rätseln, wie die Beiträge kalkuliert werden und es bei gleichartigen Leistungen und biometrischen Daten zu großen Unterschieden in der Prämiengestaltung kommen kann.

Traditionelle Kalkulationsmethode

Die Versicherungsgesellschaften verwenden üblicherweise Sterbetafeln, die von der Deutschen Aktuarvereinigung herausgegeben werden. Eine Sterbetafel stellt dar, wie sich eine angenommene Gemeinschaft von Personen durch Tod verringert. Dabei ist jedem Lebensjahr eine Sterbewahrscheinlichkeit zugeordnet. Auf dieser wesentlichen Grundlage wird der Beitrag versicherungsmathematisch ermittelt und bei Vertragsabschluss mit dem Versicherungsnehmer vereinbart. In den vertraglich festgelegten Beitrag fließen weitere kalkulatorische Elemente ein, wie beispielsweise Abschluss- und Verwaltungskosten. Auch individuelle Besonderheiten je nach Gesundheitszustand und -verhalten (Raucher/Nichtraucher) werden in der Beitragsgestaltung berücksichtigt. Zu der garantierten Todesfallsumme kommen nicht garantierte Überschussanteile. Die Versicherungsgesellschaften haben den Gleichbehandlungsgrundsatz und das von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BAFIN) geforderte Gebot einer vorsichtigen Risikoeinschätzung zu beachten.

Neue Kalkulationsmöglichkeiten

Große Versicherungskonzerne nutzen unternehmenseigene Sterbetafeln. Sie müssen aber wie alle anderen Gesellschaften die Vorgaben der BAFIN einhalten, dürfen nicht in einen ruinösen Wettbewerb zu Lasten einer vorsichtigen Risikopolitik treten. Das Bundesfinanzministerium schreibt in Abstimmung mit der BAFIN Höhe und Zusammensetzung der Rückstellungen sowie die maximale Höhe des Garantiezinses vor. Bei der Auswahl der Kapitalanlagen für künftige Versicherungsleistungen haben die Versicherer inzwischen mehr Möglichkeiten als noch vor zwanzig Jahren. So können nunmehr auch die deutschen Lebensversicherer in bestimmtem Rahmen Aktienanlagen tätigen und diese durch Termingeschäfte, auch Derivate genannt, absichern. Die hierdurch erwirtschafteten Überschüsse sind chancenreicher, aber auch riskanter. Dies haben die Kunden britischer Lebensversicherungsgesellschaften in der Finanzkrise schmerzlich erfahren müssen.

Tipp zur Überschussregelung

Der Kunde hat die Wahl, erwirtschaftete Überschüsse aus Zins-, Risiko- und Kostengewinnen zur kostenlosen Erhöhung der Todesfallsumme (Todesfallbonus) oder zur sofortigen Beitragsreduzierung zu verwenden. Die Untergrenze bei der Todesfallsumme und die Obergrenze der Beiträge sind vertraglich garantiert. Es empfiehlt sich, die nicht garantierten, veränderlichen Überschüsse in Form von niedrigeren Beitragszahlungen ohne Aufschub zu vereinnahmen. Bei späteren Todesfallboni können hingegen zwischenzeitlich Saldierungen mit Verlustzuweisungen in Schwächephasen erfolgen, so dass im Ernstfall nur die garantierte Todesfallsumme ausgezahlt wird. Der Kunde mit der einst getroffenen Wahl ‚Todesfallbonus‘ hat beim Leistungsfall in einer Finanzkrise womöglich nichts von vorher erwirtschafteten Überschüssen.

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